Der FC Bayern bringt die 50+1-Regel erneut ins Wanken – doch aus Stuttgart kommt ein klares Stopp-Signal. VfB-Boss Alexander Wehrle widerspricht dem Münchner Vorstoß deutlich und verteidigt das deutsche Modell.
In München wird wieder über die Zukunft der 50+1-Regel diskutiert. Bayern-Präsident Herbert Hainer hatte zuletzt angeregt, die Entscheidung über Investoren-Anteile den einzelnen Klubs zu überlassen. Unterstützung bekam er von Vorstandschef Jan-Christian Dreesen. Ziel: mehr Kapital, mehr internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Doch beim VfB Stuttgart sorgt dieser Vorstoß für Kopfschütteln: Auf Anfrage der Heilbronner Stimme stellt Vorstandsboss Alexander Wehrle unmissverständlich klar: Der VfB bekennt sich eindeutig zur 50+1-Regel. Sie sei eine tragende Säule wirtschaftlicher Stabilität im deutschen Profifußball. Für Wehrle steht fest, dass der Fußball hierzulande Kulturgut ist – und damit den Mitgliedern gehört.
Eine klare Ansage – auch in Richtung Säbener Straße. Wehrle argumentiert nicht nur emotional, sondern wirtschaftlich. Eine Abschaffung würde zwar kurzfristig frisches Kapital bringen, doch dieser Effekt wäre einmalig. Zudem würden vor allem die Topklubs profitieren, deren Unternehmensbewertungen deutlich höher ausfallen als die vieler anderer Vereine. Die Folge? Die Schere zwischen Groß und Klein würde weiter auseinandergehen.
„Mehr Kapital macht die Großen größer, nicht den Wettbewerb spannender“, lautet die Stoßrichtung seiner Aussagen gegenüber der Heilbronner Stimme.
Dabei verweist der VfB-Boss auch auf einen entscheidenden Punkt: Schon jetzt dürfen Klubs theoretisch bis zu 49 Prozent ihrer Anteile an Investoren abgeben. In Stuttgart gilt sogar eine 75+1-Regel. Viele Vereine schöpfen diese Möglichkeiten bewusst nicht voll aus. Wo also liegt der akute Handlungsbedarf?
Die Debatte kommt zudem zu einem sensiblen Zeitpunkt. Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt hatte bereits angekündigt, dass 2026 eine Richtungsentscheidung zur 50+1-Regel anstehen könnte. Bundeskartellamt und DFL prüfen Anpassungen – mögliche Verschärfungen inklusive. Ausnahmen wie Leverkusen, Wolfsburg oder Leipzig könnten dann erneut auf den Prüfstand geraten.
Der VfB setzt stattdessen weiter auf nachhaltiges Wachstum, regionale Partner wie Mercedes-Benz und Porsche sowie sportliche Kontinuität. Und ganz ehrlich: Braucht die Bundesliga wirklich noch mehr Investorenmacht – oder lebt sie nicht gerade von ihrer Mitgliederkultur?