Was als große Fußball-Nacht geplant war, kippte schon nach wenigen Minuten. Beim Zweitliga-Topspiel zwischen Hertha BSC und Schalke 04 verließen die Hertha-Ultras geschlossen die Ostkurve – aus Protest gegen einen Polizei-Einsatz vor dem Stadion.
71.000 Zuschauer, Flutlicht, Topspiel. Und doch lag früh eine seltsame Schwere über dem Olympiastadion.
Nach rund 15 Minuten begann sich die Ostkurve sichtbar zu leeren. Fahnen blieben eingerollt, Gesänge verstummten komplett. Die aktive Fanszene von Hertha BSC stellte den Support ein und verließ nach und nach das Stadion – ein unübersehbares Zeichen.
Hintergrund ist ein Zwischenfall vor dem Anpfiff im Bereich der Ostkurve. Der Verein bestätigte einen Vorfall zwischen Fans und Polizei, Details werden weiterhin aufgearbeitet. Die Hertha-Fanhilfe spricht von mindestens 30 verletzten Anhängern, einige hätten medizinisch behandelt werden müssen.
Die Berliner Polizei widerspricht der Darstellung in Teilen. Nach eigener Aussage seien Einsatzkräfte von vermummten Fans attackiert worden, unter anderem mit Absperrgittern. Um die Lage zu kontrollieren, sei Pfefferspray eingesetzt worden. Am Ende meldeten die Behörden 21 verletzte Polizisten und 31 verletzte Fans.
Ein Satz, der an diesem Abend hängen blieb: Eskalation oder notwendiges Eingreifen?
Als zusätzlichen Protest hinterließen die Hertha-Ultras auf den leeren Rängen einen großflächigen „ACAB“-Schriftzug aus blauen Pappen. Dazu hallten vereinzelt Schmähgesänge gegen die Polizei durch das weite Rund. Die Atmosphäre: beklemmend, fast gespenstisch.
Solidarität kam aus dem Gästeblock. Auch die Schalker Fans stellten zunächst den organisierten Support ein. Erst zur zweiten Halbzeit kehrte im Auswärtsbereich wieder Stimmung zurück, später folgte zaghaft das erste „HaHoHe“ aus anderen Stadionteilen.
Sportlich blieb das Spiel ebenfalls ohne Höhepunkte im Ergebnis. Hertha war aktiver, hatte durch Winkler und Cuisance mehrere gute Chancen, scheiterte aber immer wieder an Schalke-Keeper Loris Karius. Das 0:0 passte zur Gesamtszenerie dieses Abends.
Statt Fußball-Fest bleibt ein bitterer Nachgeschmack – und viele offene Fragen. Wie es zu dem Einsatz kam, wer Verantwortung trägt und welche Konsequenzen folgen, dürfte Hertha BSC noch länger beschäftigen. Die Bilder der leeren Ostkurve jedenfalls gehen nicht so schnell aus dem Kopf.