Auf dem Rasen kein Sieger, hinter den Kulissen aber jede Menge Zoff: Nach dem 0:0 im Hamburger Derby kochten die Emotionen hoch – mit einem 18-Jährigen im Mittelpunkt.
Es war eines dieser Derbys, die sportlich schnell abgehakt sind, aber noch lange nachwirken. Das 113. Stadtduell zwischen St. Pauli und dem HSV endete torlos, blieb über weite Strecken zäh – und explodierte erst nach dem Abpfiff.
Im Fokus: Luka Vuskovic. Der erst 18-jährige HSV-Verteidiger ließ sich nach dem Spiel zu einer emotionalen Reaktion hinreißen, nachdem er von Pauli-Fans mit Doping-Anspielungen auf seinen Bruder Mario provoziert worden war.
Schon auf dem Platz forderte Vuskovic mit der Schweige-Geste Ruhe von der Gegengerade. Im TV-Interview bei Sky platzte ihm dann endgültig der Kragen. Von Respektlosigkeit sprach der Kroate – und davon, dass seine Familie zur Zielscheibe gemacht werde.
Doch damit war die Geschichte noch nicht zu Ende: Im Kabinengang krachte es erneut. Lautstarke Wortgefechte, ein hitziger Austausch mit St. Paulis Abwehrspieler Karol Mets, dazu viel Gestik, viel Emotion. Szenen, die zeigen, wie dünn im Derby die Linie zwischen Leidenschaft und Eskalation ist.
HSV-Trainer Merlin Polzin stellte sich anschließend klar vor seinen Spieler. Er verwies auf die enorme mentale Last, die auf Vuskovic liege, und forderte mehr Sensibilität im Umgang mit persönlichen Themen. Ein 18-Jähriger, mitten im Abstiegskampf, mitten im Derby – was erwartet man da?
Hintergrund der Provokationen waren Fan-Banner und Sprechchöre mit Bezug auf Mario Vuskovic, der wegen eines Epo-Vergehens noch bis 15. November 2026 gesperrt ist. Ein sensibles Thema, das im ohnehin aufgeheizten Millerntor-Umfeld zusätzlich Öl ins Feuer goss.
Sportlich passte der Krach fast ins Bild. Viel Kampf, wenig Struktur, kaum Torchancen. Beide Teams stecken tief im Tabellenkeller, beide hätten ein Signal gebraucht – bekamen aber nur ein Remis, das niemandem wirklich hilft.
Am Ende bleibt ein Derby, das weniger wegen des Fußballs in Erinnerung bleibt, sondern wegen der Szenen danach. Und die Frage: Muss im Stadtduell wirklich jede Grenze überschritten werden?