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Montags ins Westfalenstadion?

Als die Spieler von Borussia Dortmund im vergangenen Heimspiel gegen den FC Augsburg erstmals den Rasen betraten, bot sich ihnen ein ungewohntes Bild: Zwar war das Westfalenstadion durch das Flutlicht in ein festliches Gewand gehüllt, welches ansonsten nur an Abenden der Champions League seinen ganzen Zauber entfesselt, doch trotzdem waren deutlich große Lücken auf den Zuschauerrängen zu erkennen, die sich auch bis zum Anpfiff nicht mehr schlossen.

Sowohl auf den Sitzplatztribünen, als auch auf der legendären Südtribüne waren zahlreiche Fans und Dauerkarteninhaber dem Spiel fern geblieben. Die später bekannt gegebene Zuschauerzahl machte das Ausmaß deutlich: Lediglich 54.300 Menschen wollten sich das erste Montagsspiel in der Dortmunder Vereinshistorie anschauen, oder besser: Rund 25.000 wollten es nicht. So leer war das Stadion bei einer Bundesliga-Partie zuletzt 1996.

Das Fernbleiben der Fans hatte an diesem Tag jedoch nicht die kaum erträglichen Temperaturen als Grund, die sich weit unter dem Gefrierpunkt bewegten, sondern einen organisierten Boykott von weiten Teilen der Dortmunder Fanszene.

Doch zu welchem Preis eigentlich?

Lasst euch das Spiel nicht wegnehmen!


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In einem offiziellen Statement des „Bündnis Südtribüne Dortmund“ hieß es bereits Wochen vor der Partie: „Das Bündnis SÜDTRIBÜNE DORTMUND hat sich mehrfach an den bundesweiten Protesten gegen die Einführung von Montagsspielen in der Bundesliga beteiligt. Nun ist für uns der Punkt erreicht, an dem die Grenze des Hinnehmbaren endgültig überschritten ist und wir die irrwitzige Entwicklung der Anstoßzeiten nicht mehr mitmachen! Schweren Herzens, aber aus Überzeugung, haben wir uns dazu entschlossen, dem Spiel gegen den FC Augsburg fernzubleiben und unsere Karten an diesem Tag verfallen zu lassen.“

Und weiter: „Diese Entscheidung richtet sich in keiner Weise gegen die Mannschaft. Vielmehr können und wollen wir Bundesligaspiele an Montagen nicht akzeptieren!“

Doch am Ende traf der Protest eben doch vor allem: Die Mannschaft. Der BVB präsentierte sich an diesem Abend ideenlos und verunsichert und musste sich am Ende mit einem Punkt gegen motivierte Augsburger zufrieden geben.

Während des Spiels, wirkte die Stimmung im „Tempel“ eher wie bei einem Freundschaftsspiel: Über die Außenmikrofone waren deutlich die Stimmen der Spieler und Trainer zu hören. Einen Raunen ging nur bei torgefährlichen Aktionen durch das Stadion – danach folgte wieder Stille.

Peter Stöger wollte das Fernbleiben der Fans später im Interview nicht als Ausrede stehen lassen: „Viele Vereine in Deutschland wären froh, wenn sie 54 000 hätten. Damit herauszureden, dass man nur vor 80 000 richtig gut Fußball spielen kann, wäre eine billige, einfache Ausrede.“ (Quelle Sky.de)

Doch seinen Spielern merkte man an: Die Unterstützung von den Rängen fehlte.

Ist das Fernbleiben wirklich der richtige Weg?

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Nun stehen die Fans von Borussia Dortmund mit ihrem Problem nicht alleine da: Vor zwei Wochen entschieden sich die Anhänger von Eintracht Frankfurt nicht für einen klassischen Boykott, sondern für einen Protest. Kurz vor dem Anpfiff öffneten die Ordner nach Absprache mit dem Verein die Tore, sodass sich die Ultras direkt hinter dem Tor platzieren konnten. Sie verblieben dort kurz, verzögerten den Start in die Partie und kehrten anschließend friedlich wieder auf ihre Plätze in der Kurve zurück, wo sie mit provokanten, aber auch witzigen Plakaten deutlich machten, was sie von Partien am Montag halten. Zusätzlich warfen sie nach dem Seitenwechsel hunderte Tennisbälle auf den Rasen, um auch den Beginn der zweiten Halbzeit nach hinten zu verlegen. Allein der Fakt, dass Eintracht Frankfurt direkt mit duzenden, passenden Staubsaugern vor Ort war, zeigt: Die komplette Aktion war angemeldet und vorher mit dem Verein besprochen worden.

Der Klub selbst wählte hingegen einen humorvollem Umgang mit dem Thema: Beim Tor der Frankfurter wurde ein Youtube-Hit zum Thema „Montage“ gezeigt und beim Warmlaufen der Teams schallte „I dont like Mondays“ aus den Lautsprechern.

Doch auch bei dieser Partie war die Stimmung anders als sonst: Ausgelegte Trillerpfeifen sollten die Leipziger Spieler bei Ballbesitz verunsichern und die Schiedsrichter übertönen. Die aufgeheizte Stimmung übertrug sich schnell auch auf den Rasen: Immer wieder gab es Rudelbildungen – auch der Videoassistent musste zum Einsatz kommen.

Doch am Ende gewann die Eintracht das Spiel und träumt seit dem weiter von der Teilnahme an der Champions League. Die Spieler kamen nach der Partie in die Kurve und feierten mit ihren Fans – in Dortmund schauten die Akteure nach Anpfiff hingegen eher etwas ratlos auf leere Sitze.

Was denn nun?

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Es sind zwei verschiedene Methoden mit den Montagsspielen umzugehen und niemand kann bewerten, welche nun letztlich in der momentanen Situation die Richtige ist. Nächste Woche wird es die Fans von Werder Bremen treffen, die sich voraussichtlich ebenfalls für einen Boykott des Spiels entscheiden werden. Doch auch dort gibt es innerhalb der Szene Diskussionen über dieses schwierige Thema.

Die Frage ist: Was bringt dieses „Zeichen setzen“ eigentlich am Ende wirklich? Klar ist, dass es für die Fans des FC Augsburg durch die Ansetzung am Montag erheblich schwerer gemacht wurde, ihr Team zu unterstützen. Klar ist aber auch, dass RB-Trainer Ralph Hasenhüttl nach der Partie bei Eintracht Frankfurt absolut Recht mit seiner Aussage hatte: „Alle 36 Bundesligisten haben zugestimmt. Jetzt haben wir fünf Montagsspiele. Alle haben es beschlossen, deswegen sollten wir auch alle dahinterstehen.“ 

Am Verhandlungstisch zustimmend nicken und dann vor den eigenen Fans so auftreten, als hätte man keinen Anteil an der Entscheidung gehabt ist nur eins: Scheinheilig!

Kein Ende in Sicht!

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Montagsspiele wird es auch in Zukunft geben – in der zweiten Liga gehören sie längst zum Alltag. Für die Spieler, die am vorherigen Donnerstag in der Europa League antreten müssen, sind sie eine herbe Entlastung und nicht wenige befürworten diese Ansetzung.

Für die Fans, die ihre Mannschaft live im Stadion unterstützen wollen, ist die Entscheidung ohne Frage eine große Einschränkung: Für sie heißt es nun: Noch mehr Urlaubstage für den Verein opfern.

Doch die Dortmunder Fanclubs und Ultragruppen lassen sich ja auch seit Jahren nicht davon abschrecken, auf einem Mittwochabend nach Madrid zu fahren, um 90 Minuten Champions League zu schauen. Wieso dann nicht auf einem Montagabend ein Bundesligaspiel besuchen?

Die Partien am Montag werden sich etablieren und wir sollten uns daran gewöhnen. Wer die Spiele trotzdem weiter aus eigener Überzeugung boykottieren möchte, kann dies gerne weiterhin tun. Doch diesen Leuten müssen zwei Dinge klar sein: Sie werden erstens am Enden nichts damit bewirken und nehmen sich zweitens selber das, was sie am meisten lieben: In der Kurve zu stehen und einfach nur Fußball gucken.

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